Futter

 

Zuchtfutter

Es gibt zu diesem Thema jede Menge unterschiedliche Meinungen. Ich bevorzuge jedoch Futtermischungen, die einen Roheiweißgehalt von 15% - 17% aufweisen, da die Jungtiere sehr schnell an Masse zunehmen sollen. Dies gilt sowohl für die Kingtauben als auch für die Standardbrieftauben.
Mein Futter stelle ich aus Futtermischungen verschiedener Hersteller zusammen. So mische ich 75 kg Raiffeisen-Zucht mit 25 kg Ovator California. Dazu werden 5 kg Kleinsämereien (Exotenfutter) und 10 kg Sonnenblumenkerne gemengt. Des weiteren wird das Futter noch mit Gerste, Weizen, Erbsen und Mais aufgewertet. Der Maisanteil für die Tiere im Jungtierstall ist etwas höher als für die Tiere im Zuchtstall.

 

 

Winterfutter

Das Winterfutter besteht, wie bereits bei der Taubenverpaarung erwähnt nur aus Gerste. Dies beugt einer Verfettung der Tiere vor und sichert die Befruchtung im Frühjahr. Die Umstellung auf das Winterfutter erfolgt nach der ersten Ausstellung, weil die Tauben ab dieser Zeit keine Leistung mehr erbringen müssen und das Futter nur Erhaltungsfutter darstellt.

 

 

Futterrationen

Wie oft die Tauben täglich gefüttert werden, hängt oft von der Zeit des Züchters ab. Optimal wäre eine dreimalige Fütterung am Tag in kleinen Rationen. Da mir dies jedoch zeitlich nicht möglich ist (wie den meisten berufstätigen Züchtern) füttere ich meine Tiere einmal täglich. Man sollte darauf achten, dass die Tauben täglich zur etwa selben Zeit ihr Futter bekommen, damit sie sich an den Rhythmus gewöhnen können. Gelegentliche Abweichungen stören nicht. Wie viel Futter für die Tiere erforderlich ist, hängt von der jeweiligen Rasse ab. Man sollte die Tiere jedoch so füttern, dass bei der darauf folgenden Fütterung kein Korn mehr im Trog zurückgeblieben ist. Andernfalls picken sich die Tauben das Futter heraus, welches sie besonders gern mögen und der Rest bleibt im Trog. Die Folge ist eine Verfettung der Tiere sowie eine schlechte Fütterung der Jungtiere in den Nestern.

 

 

Beifutter

Zur Aufwertung des Futters bieten der Fachhandel sowie die Natur vielfältige Möglichkeiten. Im Folgenden möchte ich einige Möglichkeiten vorstellen, wie ich das Futter meiner Tiere aufwerte. Dies ist meine persönliche Erfahrung, die jedoch nicht immer bis ins kleinste wissenschaftlich hinterlegt werden kann – jedoch sehe ich, dass es positive Auswirkungen auf meine King hat – und das ist schließlich das Wichtigste.


Mögliche Beifutterpräparate - eine breite Palette wird vom Fachhandel angeboten

Die Beifuttermittel verabreiche ich über das Körnerfutter, da die Produkte hierbei vollständig aufgenommen werden. Trinkwasser verabreicht man zumeist in größerer Menge als nötig, so dass ein Teil der über das Trinkwasser verabreichten Zusatzfuttermittel mit dem Wechsel des Wassers verschwendet werden würde.

Als Anfeuchtmittel für das Futter verwende ich zumeist Öle. Sehr gut eignet sich hier Sonnenblumenöl. Dies ist eines der günstigsten Öle und enthält einen sehr hohen Anteil an Vitamin E, dem Fruchtbarkeitsvitamin. Dies könnte den Tieren auch als chemisches Präparat verabreicht werden, jedoch setzte ich lieber auf Produkte, die die Natur zur Verfügung stellt.

Als weitere Öle verwende ich Sesamöl, Erdnussöl, Traubenkernöl, Distelöl, Dorschlebertran, usw. Diese Öle sind etwas teurer. Jedoch gibt es hier bei den Lebensmitteldiscountern, wie z. B. Aldi und Lidl gelegentlich Angebote, da kostet der Viertelliter ca. 2,00 €. Bei normalen Artikeln wird zumeist der dreifache Preis fällig. Somit statte ich mich immer bei den Angeboten mit einem kleinen Vorrat aus, aber nicht zu viel, da die Haltbarkeitsdauer von Ölen eher kurz ist.

Einen Qualitätsunterschied zwischen den Discounterölen und „normalen“ Ölen konnte ich bislang nicht feststellen.

Die Vermengung des Öls mit dem Futter nehme ich wie folgt vor. Ich gebe die benötigte Menge Futter in einen Eimer (z. B. leerer Griteimer). Dazu kommt dann die benötigte Menge Öl (für die richtige Menge Öl bekommt man mit der Zeit schon ein Gefühl). Mit geschlossenem Deckel wird der Behälter dann für einige Zeit geschwenkt. Nach dem Öffnen sollte jedes Korn gleichmäßig mit Öl benetzt sein.

Damit das Öl die Futtertröge nicht allzu sehr verschmutzt, sollte es abgebunden werden. Als Abbindemittel eignen sich hervorragend:

-         Bierhefe, als wichtiger Eiweiß- und Vitaminträger (vor allem Vitamin B). Bierhefe hilft bei Durchfallerkrankungen, ist appetitanregend und verhilft zum Aufbau eines guten Federkleides (Kosten: für 800 g ca. 6 €, von Backs).

-         Bio-Natur-Pur von Gneupel, dies ist ein Kräutermehl. Die Tiere erhalten dadurch einen festen Kot und wirken vitaler. Zudem hat es durch einige der beigemengten Kräuter eine wurmtreibende Wirkung (Kosten: für 1000 g ca. 19 €).

-         Löserde, positive Auswirkungen auf die Darmflora. Die Löserde ist gereinigter, gemahlener Lehm, könnte also auch leicht selbst hergestellt werden. Er enthält Stoffe, die die Tiere im Freiflug aufnehmen könnten, aufgrund der zumeist angewandten Volierehaltung ist dies jedoch nicht möglich (Kosten: 600 g, ca. 7 €).

-         Diverse Mineralpulver, z. B. Rodamin. Da diese pulverförmig sind und somit von den Tieren schlechter aufgenommen werden können, erscheint das anbinden an das Futter vorteilhaft. Da die Mineralpulver oftmals auch einen Salzanteil enthalten, wirkt es auf die Tiere appetitanregend. Vor allem in der Zuchtzeit wird diese Mischung sehr gerne angenommen (Kosten: Rodamin 1000 g, ca. 2,50 €).

-         Die Jungtiere bekommen noch einmal wöchentlich ein Eiweißpulver. Hierfür eignen sich entweder Schafmilchpulver (etwas teurer im Preis) oder ein Eiweißpulver für den menschlichen Verzehr. Dieses gibt es in jedem Reformhaus oder Supermarkt. Hier kostet das halbe Kilo ca. 5 €. Es handelt sich um hochdosiertes Eiweiß (90 %) aus Milch und Eiereiweiß. Dies bekommen jedoch nur die Jungtiere in der Jungtiervoliere, da ein zu hoher Eiweißanteil bei den Alttieren den Schlupf negativ beeinflusst. Die Küken bleiben hier oft beim Schlupf stecken und verenden.

-         Oreganopulver verwende ich nicht mehr. Dies schadet zwar bestimmt nicht, jedoch habe ich in letzter Zeit mehrmals wissenschaftliche Artikel gelesen, dass es keinen Einfluss auf den Organismus der Tiere hat, also die so angepriesene Wirkung gegen Salmonellen, etc. nicht zutrifft. Somit sind mir es die 15 € für die 50 Gramm Dose nicht Wert, hier setze ich lieber auf mein Kräuterpulver. Eine Veränderung der Tiere durch die Gabe des Oreganopulvers habe ich nicht festgestellt.
Ein Ersatz des Oreganopulvers könnte auch durch gerebelten Oregano vorgenommen werden. Dieser ist vom Preis wesentlich günstiger und in jedem Supermarkt erhältlich.

Dieses Beifuttergemisch erhalten die Tiere ein- bis zweimal in der Woche. Jedes mal mit einem anderen Beifutterprodukt abgebunden. Das Pulver wird über das angefeuchtete Futter gestreut, bei geschlossenem Deckel abermals kurz geschwenkt und fertig ist die Futtermischung. Für die zugegebene Menge der Pulver bekommt man schnell das richtige Händchen. Als Ergebnis sollte eine gleichmäßige Behaftung des Futters festzustellen sein.

 

 

Herba-Corn
von
Versele-Lage

 

Bio-Natur-Pur-Kräutermehl

 

Zusätzlich zum Beifutter werden noch Haferflocken, Kleinsämereien (diese aufgrund des hohen Fettanteils jedoch nicht im Winter), Herba-Corn (Kräuter-Zwiebel-Pellet von Versele-Lage) mit untergemischt.

 


 

 

Fertig angerichtetes Futter

 

 

 

 

Bei dem so „aufgewerteten“ Futter kann es sein, dass die Tiere es anfangs nicht so gerne aufnehmen, jedoch nach kurzer Zeit, wenn die Tauben es kennen, nehmen sie es genauso gerne an wie normales Futter.

Zu beachten ist jedoch, dass nur soviel Futter angemischt wird, wie viel die Tauben mit einer Fütterung verbrauchen können. Bei längerem Kontakt des Öls mit der Luft wird es ranzig und hat somit einen negativen Einfluss auf die Tiere. Also bei jeder Fütterung neu anmischen und darauf achten, dass der Trog leer gefressen wird.


Nach kurzer Gewöhnungsphase nehmen die Tauben das Futter gerne auf.

Ca. einmal in der Woche erhalten meine Tauben auch einen Gemüsebrei. Hierzu verwende ich z. B. Zwiebel, Knoblauch, Karotte, Apfel, Lauch, gekochtes Ei, Kräuter, und alles, was die Saison hergibt. Ich gebe alle Produkte in einen Mixer und püriere sie, bis sich ein gleichmäßiger Brei ergibt. Dem ganzen gebe ich noch eine kleine Prise Salz hinzu. Dieses wird dem Futter im Eimer (s. o) untergemengt. Dies mache ich mit den Händen, da ein schütteln des Eimers nicht ausreicht um die Körner gleichmäßig zu benetzen. Auch hier gebe ich wieder o. g. Beifuttermittel hinzu. Das so entstehende Gemisch lasse ich jedoch vor der Verfütterung einen Tag stehen, damit das überschüssige Wasser verdampft. Am darauf folgenden Tag wird das Gemenge verfüttert. Dieses klebt zu diesem Zeitpunkt fest im Eimer und muss zuvor mit einem Löffel oder Ähnlichem gelöst werden. Wenn man den Gemüsebrei gleich im Anschluss an die Zubereitung verfüttert verschmutzen meiner Meinung nach die Futtertröge zu sehr und der Brei bleibt nicht gut an den Körnern kleben. 

Vor allem in den Sommermonaten verabreiche ich meinen Tauben Keimfutter. Hierzu wird das Zuchtfutter für ein bis zwei Tage angekeimt und dann verfüttert. Durch die Ankeimung erhält das Futter den höchsten Energiegehalt und kann von den Tauben sehr gut verdaut und aufgeschlossen werden. 

Man verwendet entweder ein im Fachhandel erhältliches Keimsilo, oder auch wieder den altbewährten leeren Eimer. Hier füllt man die benötigte Menge des Futters ein und füllt den Eimer bis zum Rand mit handwarmen Wasser. Danach lässt man den Behälter ca. zwei Tage an einem warmen Ort stehen. Das Futter ist fertig zur Fütterung, wenn die Körnerschalen leicht aufplatzen und der Keimling gerade zu erkennen ist. Danach sollte das Wasser abgegossen werden und die Körner in ein großes Sieb (oder ähnliches) gekippt werden. Die Körner im Sieb sollten nochmals unter klarem Wasser durchgespült werden und anschließend an einen warmen Ort zum antrocknen. Nach ca. einem halben Tag steht das so entstandene Keimfutter zur Fütterung bereit. 

Bei dem Vorgang kann es vorkommen, dass das Futter nicht keimt (zu beachten ist, dass Ölsaaten bis zu eine Woche Keimdauer haben).

Dies kann verschiedene Gründe haben. Entweder hat man nicht keimfähiges Futter verwendet. Dies wäre der schlechteste Fall, da solches Futter für unsere Tauben sowieso wertlos ist, da hierin keinerlei Vitamine mehr enthalten sind. Nicht keimfähiges Futter entsteht entweder durch zu lange Lagerzeiten, hierfür muss das Futter aber schon mehrere Jahre alt sein, oder das Futter wurde durch den Hersteller chemisch keimunfähig gemacht. Manche Futtermittelhersteller wenden dieses Verfahren an, damit das Futter in feuchten Lagerhäusern nicht keimt.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass es nicht zur Keimung, sondern zum Gärprozess kam. Dies kann daran liegen, dass es zu kalt war (im Sommer kann man das Futter ruhig draußen stehen lassen, in den kälteren Jahreszeiten sollte es jedoch im Haus, z. B. neben dem Heizkörper stehen).

Der Gärprozess ist durch eine extreme Blasenbildung an der Wasseroberfläche zu erkennen. Das Futter hat auch einen sehr unangenehmen Geruch. Es sollte nicht mehr an die Tauben verfüttert werden. 

Es gibt sicherlich noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten das Futter aufzuwerten. Wenn man neue Ideen hat, sollte man diese einfach mal ausprobieren und sehen, wie die Tauben darauf ansprechen.


 

Mineralien

Sehr wichtig ist es den Tauben, zusätzlich zu den benötigten pulverförmigen Mineralien auch Mineralien zuzuführen, die als Magensteinchen dienen. Tauben haben einen Reibemagen. Sie benötigen Gesteinskörnchen der das Futter im Magen zerquetscht damit es von den Tauben verwertet werden kann. Des weiteren benötigen Sie es zur Kalkproduktion (Knochen, Eierschalen, etc.).
Hier eignen sich sehr gut die im Fachhandel erhältlichen Taubensteine und Grit. Als Schlageinstreu benutze ich gesiebten Sand, hier finden die Tiere auch kleinere Gesteinskörnchen. Zusätzlich gebe ich noch wöchentlich ca. ein Kilo Split auf den Schlagboden, diesen nehmen die Tiere auch sehr gerne als Magensteinchen auf.

 

 

Wasser

Das Wasser sollte in der Sommerzeit zweimal täglich gewechselt werden, damit sich keine Krankheitserreger bilden können. Danach werden die Tränken mit einem Schwamm gereinigt und zum Trocknen aufgehängt. Somit müssen für jede Voliere mindestens zwei Tränken zur Verfügung stehen, damit, während sich die eine in Benutzung befindet, die andere trocknen kann.
Im Fachhandel sind auch sehr viele Trinkwasserzusätze erhältlich. Die Versetzung des Trinkwassers mit Zusätzen geschieht bei mir wie folgt:
Montag: Vitamintablette (Vitamin C, E; Multivitamin; Magnesium; Calcium; etc.)
Dienstag: Apfelessig (ca. ein Schnapsglas auf fünf Liter Wasser)
Mittwoch: Keimfrei (zur Entkeimung des Wassers)
Donnerstag: Vitamintablette (Vitamin C, E; Multivitamin; Magnesium; Calcium; etc.)
Freitag: Apfelessig (ca. ein Schnapsglas auf fünf Liter Wasser)
Samstag: Keimfrei (zur Entkeimung des Wassers)
Sonntag: Tee (Backs-Tee, Weidenrindentee, Ringelblumenblüten, Kräutertee, Früchtetee, etc.)

In der Winterzeit ist es möglich die Tränke mit einem Tränkenwärmer gegen den Frost zu schützen. Ich verwende sie jedoch nicht. Das Wasser gefriert zwar ein, jedoch nehmen die Tauben während der Winterzeit sowieso nicht allzu viel Wasser auf.